Donnerstag, 29. September 2016

Die diesjährige Wahlnussernte in manchen Lichtensteiner Talauen fällt bescheiden aus.


Die im Sommer schattenspendenden Walnussbäume haben bereits begonnen ihr Laub abzuwerfen. Die flach einfallenden Herbstsonnenstrahlen zwängen sich gerade noch am Stamm vorbei und durch das Geäst.

Eine späte Frostnacht im Frühjahr ist vermutlich die Ursache dafür, daß es in manchen Tallagen dieses Jahr nur wenige Walnüsse gibt. Um die paar vorhandenen Früchte streiten sich mit großem Spektakel jetzt die Raben, Elstern, Eichelhäher und Eichhörchen.

Foto, Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch

Mittwoch, 28. September 2016

Holzelfingen, 1930: Pfarrer Paulus beschreibt die "Greifensteiner Grabplatte".


Im "Heimatboten für Holzelfingen", vom  November 1930, hat Pfarrer Paulus zum obigen Foto das Nachfolgende veröffentlicht:

Die Leser werden gesehen haben, daß die Grabplatte zwei Inschriften hat. Die eine, die Umschrift, in gotischer Schrift, also deutsch; die andere lateinisch. Die gotische Umschrift lautet: Anno dom. M,C.C.C.C.LXXXXIIII. jar (= im Jahre des Herrn 1494) starb. tilgen.goesin. von. Holzelfingen. der. got. gnedig. sin. well. Man nimmt an, daß der Name tilgen (= Ottilie) goesin der Name der letzten Greifensteinerin sei, die im Chor der Kirche, der alten Grabstätte der Greifensteiner, beigesetzt worden sei; vielleicht einer Tochter des Burckhardt von Gochzen, Vogt und Forstmeister des Klosters von Zwiefalten.

Im Jahr 1717 sodann ist diese Grabplatte zum Grabdenkmal für seine Töchter von Pfarrer Sehner benützt worden. Das sagt die lateinische Inschrift, die ausgeschrieben und übersetzt lautet: In Nomine Jesu (= im Namen Jesu). Amatissimis fibiabus suis hic sebultis (= seinen innig geliebten, hier begrabenen Töchtern) Juditae Veronicae. Mariae Margaretae. Annae Reginae (= Judita Veronica, Maria Margarete, Anna Regina) variolis dysenteriis IX mensium spatio extinctis (= welche an verschiedenen Darmerkrankungen (Ruhr) innerhalb 9 Monaten gestorben sind) signum hoc doloris sculpsit ipsa patris Sehneri manus (= hat dieses Trauerdenkmal eigenhändig gemeißelt der Vater Sehner. M.DCC.XVII (= 1717).

 Merkwürdigerweise ist im Totenregister nur der Tod der siebenjährigen Juditha Veronica, am 6. Dezember 1716 eingetragen, mit der Angabe, daß sie an den "leidigen Durchschlechten" (Pocken ?), die damals "allenthalben grassiert", gestorben sei. Weiter ist hinzugefügt, daß zu ihrer letzten Ehre, an ihrem Namenstag ("Veronica"), am 4. Februar 1717, das schöne Epitaphium (= Grabschrift oder Grabstein) in der Kirche aufgehängt worden sei.

Die beiden anderen auf dem Grabstein erwähnten Töchter, Margareta und Regina sind am 24. August 1712 und 15. März 1717 geboren. Sie müssen zwischen dem 6. Dezember 1716 und 6. September 1717 gestorben sein. Im Totenregister ist zwischen dem 21. März 1717 und 9. August 1719 kein Eintrag, dagegen Raum gelassen, wie zum nachträglichen Eintrag noch nicht geschriebener Todesfälle.

Das im Totenregister erwähnte Epitaphium kann nicht die Grabplatte sein, denn das Epitaphium ist am 4. Februar 1717 "in der Kirche aufgehängt worden". An diesem Tag war die auf der Grabplatte genannte Anna Regina noch gar nicht geboren. Das Epitaphium wird vielmehr eine Schrift gewesen sein, die dann wieder weggenommen wurde, als Ende 1717 das steinerne Denkmal für die 3 Töchter aufgerichtet war.

Jetzt ist die Grabplatte an der Außenwand der Sakrestei aufgerichtet und festgemacht und zeugt von Sterben und Trauer und vergangener Herrlichkeit aus den Tagen der Väter.

Im November 1930.
 Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch


Dienstag, 27. September 2016

Das erste kirchliche Gemeindeblatt für Holzelfingen, im Januar 1929: "Liebe evangelische Gemeindegenossen!"


Der Holzelfinger Pfarrer Paulus hat im Dezember 1925 den dortigen Pfarrdienst übernommen. Ihm war es ein herzliches Anliegen  mit seinen Holzelfinger Familien und von Holzelfingen weggezogenen Personen in einen Gedankenaustausch zu treten und Kontakte zu pflegen. Im Januar 1929 erschien das erste Gemeindeblatt. Seine Leser hat er wie folgt angesprochen: "Liebe evangelische Gemeindegenossen ...". Lediglich zur Bestreitung der Druckkosten wurden 30 Pfennig verlangt. Pfarrer Paulus versprach: "Daß dann schon jedes mal etwas Rechtes drin stehen werde".

Und nun noch etwas zum Titelbild: Ein Freund von Pfarrer Paulus, Karl Möhrle aus Baiersbronn, hat es gemalt. Bei einem Besuch von Möhrle in Holzelfingen, hat es ihm so gut dort gefallen, daß er sich anbot, das Titelbild für das künftige "Blättle" zu zeichnen.
  
Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch

Montag, 26. September 2016

Um 1890: Aus dem Alltag der Menschen in und um die Lichtensteiner Teilorte (Teil 2)


Nachfolgend Auszüge aus der Beschreibung des Oberamts Reutlingen, 1893. Verfasst von Oberamtsarzt Dr. Steinbrück, Reutlingen sowie Anmerkungen des ehemaligen Gemeindearchivars von Lichtenstein, Paul Schweizer.

((Fortsetzung vom Vortag))

Der vermögende Bauer schlachtet im Winter 1 oder 2 Schweine. Bei dieser Gelegenheit gibt es die "Metzelsuppe"...

"... von großer Bedeutung, besonders bei der körperlich strenger arbeitenden Bevölkerung, nimmt das "Vespern" ein. Diese Mahlzeit fällt oft reichlicher aus als das Mittagessen. Zum Vesper wird Bier oder Most getrunken. Der Genuß von Obstmost verbreitet sich überhaupt immer mehr, auch in den nicht selbst Obstbau treibenden Gemeinden der Alb, jedoch nur als Haustrunk. Im Wirtshaus wird nur Bier, seltener Wein getrunken ...".

Sehr kritisch äußert sich der Oberamtsarzt - als Mann vom Fach - über die Kinderernährung.

" ... die allgemeine Erfahrung lehrt, daß das  Stillen häufig schon nach 2 - 3 Wochen aufgegeben wird und statt dessen, neben der Mutterbrust, den Kindern noch allerlei andere, häufig recht unzweckmäßige Nahrungsmittel gereicht werden. Es ist die irrige Meinung verbreitet, daß ein Kind bei flüssiger Nahrung allein nicht satt werden und gedeihen könne ...".

Bei einem Teil der Bevölkerung ... "werden eben Kinder nach alter Sitte von der ersten Lebenswoche an mit Mehlbrei "gestopft". Der Bequemlichkeit halber wird der Brei für den ganzen Tag vorausgekocht. Andere Kinder bekommen dicke Suppen von Milchbrot, Blechwecken und gewöhnlichen Wecken. Als günstig ist es schon zu bezeichnen, wenn ein neu geborenes Kind wenigstens mit unverdünnter Kuhmilch ernährt wird ...".

"... eine weitere Unsitte in der Kinderpflege besteht in der ausgedehnten Anwendung des  "Schnullers" bzw, "Schlotzers", der auf dem Land noch überall angetroffen wird und - wie die Leute sagen - eine Kindermagd einspart ...".

Aber bei Kindern wird betreffs der Ernährung nicht nur in den ersten Lebensmonaten gesündigt, sondern auch in späteren Zeiten. Viel zu früh lässt man diese am gemeinschaftlichen Tisch alles mitessen, was da aufgetragen wird. Sie werden an den Genuß alkoholischer Getränke gewöhnt und die Folgen können dann natürlich nicht ausbleiben. Die große Kindersterblichkeit gibt davon Zeugnis.

"... die Wohnungen auf dem Land sind einfach, fast durchweg Fachwerkbau ohne besondere architektonische Ausschmückung. Die Häuser meist einstockig, Stall und Scheune mit den Wohnräumen unter einem Dach. Die Wohnräume bestehen gewöhnlich nur aus Wohnstube und Kammer. Die Schlafkammer ist für die Eltern und für die kleineren Kinder. Die älteren Kinder schlafen in einer Nebenkammer oder auf der Bühne unter dem Dach. Für frische Luft in den Wohnräumen herrscht wenig Sinn. Die Fenster werden im Sommer so wenig geöffnet wie im Winter. Um so mehr ist das Wärmebedürfnis vorherrschend. Eine gut beheizte Stube trifft man im Winter selbst bei den ärmsten Familien an ...".

Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch

Sonntag, 25. September 2016

Um 1890: Aus dem Alltag der Menschen in und um die Lichtensteiner Teilorte (Teil1).


Nachfolgend Auszüge aus der Beschreibung des Oberamts Reutlingen, 1893. Verfasst von Oberamtsarzt Dr. Steinbrück, Reutlingen sowie Anmerkungen des ehemaligen Gemeindearchivars von Lichtenstein, Paul Schweizer:

"Der Menschenschlag wird als kräftiger und ausdauernder, ja zäher, von meist Mittelgröße und stämmiger, untersetzter Statur bezeichnet. Wohlbeleibtheit wird, auf dem Land wenigstens, nur selten gefunden.
Einzelne Unterschiede sind weniger auf die Bodenverhältnisse als auf die vorherrschende Beschäftigung zurückzuführen, insofern, als in denjenigen Ortschaften, deren Einwohner zum größten Teil in Fabriken beschäftigt sind, der Menschenschlag als ein entschieden schwächlicherer, zarterer und mehr zu Krankheiten disponierter ist, als in Bezirken mit vorwiegend landwirtschaftlicher Beschäftigung. Dementsprechend sind auch die Resultate bei der Aushebung (Musterung): Die Gemeinde Unterhausen, in welcher die Mehrzahl der jüngeren, männlichen Einwohner von frühester Jugend an in Fabriken beschäftigt ist, liefert z.B. schon seit Jahren relativ am wenigsten tüchtige Soldaten."
Eine gewisse Begründung für dieses "Manko  an tüchtigen Soldaten" findet man in den Ausführungen über die Beschäftigung der Bewohner. Hier wird u.a. gesagt: "Auch wird nicht selten in der Richtung gesündigt, daß die Eltern ihre Kinder viel zu früh zur Fabrikarbeit anhalten; kaum sind sie 14 Jahre alt und der Schule entwachsen, so müssen sie "Geld verdienen".

Im Charakter und Temperament haben sich damals deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land gezeigt: "Die ländliche Bevölkerung, besonders die Älbler, sind nüchtern, ernst und still, in sich gekehrt und zurückhaltend, etwas schwerfällig im Umgang, besonders Fremden gegenüber. Es herrscht Bitterkeit, Sparsamkeit und große Arbeitslust. Überall findet man auf dem Land tief religiösen Sinn, der aber leicht auf Abwege führt und in Pietismus und Sektiererei ausartet ...".

"... der Wirtshausbesuch ist bei der ländlichen Bevölkerung sehr mäßig und gar manches Bäuerlein kommt nur, wenn es auswärts in die Stadt geht oder bei besonderen Gelegenheiten dazu (Hochzeit, Leichenschmaus). Andere gehen regelmäßig am Sonntagnachmittag auf einige Stunden hin, sind aber um 5 oder 6 Uhr zum Tränken und Füttern des Viehs schon wieder Zuhause. Nur die "Ledigen" erlauben sich hin und wieder einen längeren Wirtshausaufenthalt. Eigentliche Trunkenheit ist selten ...".

"... in den ländlichen Gemeinden ist die Ernährungsweise sehr einfach, oftmals kärglich. Sie ist fast rein pflanzlich, Fleisch ist ein Luxusartikel und kommt in manchen Familien wochenlang nicht auf den Tisch. Die Hauptnahrung besteht aus Kartoffeln, von welchen oft unglaubliche Mengen vertilgt werden. Weiterhin Mehlspeisen ("Spätzle"), Gemüse, Hülsenfrüchte und im Sommer grüner Salat. Daneben wird viel Milch und Kaffee getrunken. Der Kaffee hat sich zwischenzeitlich in allen Haushalten durchgesetzt, nicht nur zum Frühstück, sondern häufig auch als Abendessen, gewöhnlich mit Kartoffeln zusammen in der Tasse wird ausgelöffelt...".
"... die Qualität des Kaffees ist meist eine sehr fragliche, es werden dazu mehr Surrogate als Kaffeebohnen verwendet. Die Herstellung erfolgt aus gewürfelten Zuckerrüben und Gelbrüben. Diese werden auf dem Ofen gedörrt, dann gemahlen und in Verbindung mit einem Minimum wirklichen Kaffeemehls aufgekocht ...".

((wird fortgesetzt))

Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch

Samstag, 24. September 2016

1920: Ehemalige Markungsgrenze zwischen Ober- und Unterhausen.


Auf der linken Seite des Bildes ist auf einem Sockel eine mit beschrifteten Tafeln versehene  Grenzmarkierung zwischen Ober- und Unterhausen ersichtlich. Von dieser Stelle aus führt heute von der B 312 aus ein Staffelweg zur Zeppelinstraße hoch. Die ursprüngliche Gemarkungsgrenze ist ehemals exakt an dieser Stelle verlaufen.
Foto, Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch

Freitag, 23. September 2016

Erinnerungsfoto: Familie Karl Mezger, von der "Oberen Braike".


Personen (von links):
-  Sohn: Karl Mezger, Maurermeister und ehemaliger Gemeinde-Bauhofleiter.
-  Mutter: Luise Mezger, geb. Reiff ("Schulzen-Luis"), Tochter des letzten Schultheißen von Oberhausen:
    Gottlob Reiff und dessen Frau Friederike, geb. Trudel.
-  Vater: Karl Mezger ("von d'r Braike").

Die Verwendung von Beinamen war bis vor wenigen Jahrzehnten im oberen Echaztal und auf der Alb üblich (siehe im obigen Text: "Schulzen-Luis"). Heute werden diese Beinamen nur noch von der älteren Generation verwendet. Dieser jeweilige Name charakterisiert die Namensträgerperson bzgl. Aussehen, Abstammung, Beruf, Charakter, Wohnplatz etc. Weiterhin wurde auch bei gleichnamigen Ortsbürgern damit eine unterscheidende Zuordnung festgelegt ("... von d'r Braike" bzw. "... von d'r hinteren Gasse").

Fotobereitstellung: Familie Mezger (Nachkommen)                                                     Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch