Mittwoch, 20. Mai 2015

Wußten Sie das? Dieses und mehr erfahren Sie in der Ausstellung 40 Jahre Lichtenstein

Im Vorfeld: Ohnastetter Intermezzo

Während die Aufgeregtheiten in Unterhausen, Holzelfingen und Honau sich erst entwickelten, war Ohnastetten ohne sprödes Zögern dem Zug des Herzens ins Tal gefolgt: Schon am 15. August 1971 entschied sich eine Mehrheit in geheimer Abstimmung für eine Eingliederung nach Unterhausen. Die Gründe lagen in der Orientierung der Arbeitsplätze talwärts und der Verkehrsanbindung über Stahleck-Göllesberg und Holzelfingen nach Unterhausen und Reutlingen. Für Kindergarten- und Schulkinder, Patienten und Auspendler, Einkäufe und Arbeitsplätze erhoffte man sich verbesserte Möglichkeiten. Ungern hörten dies die heute in der Gemeinde St.Johann vereinigten Gemeinden. Sie befürchteten durch die Abkehr Ohnastettens eine Schwächung ihres ländlichen Raumes.







Ein freiwilliger Eingliederungsvertrag wurde am 26. Oktober 1972 von Bürgermeister Ernst Braun und Bürgermeister Albert Feucht jeweils für Unterhausen und Ohnastetten unterzeichnet. 

Da die Abstimmung hierfür schon 1971 erfolgt war, wären die beiden Gemeinden in den uneingeschränkten Genuss des" Freiwilligen-Honorars" gekommen. Doch vor den Preis hatten die Götter nicht den Schweiß, sondern die Zustimmung der Landesbehörden gesetzt -und die blieb aus. Nicht zu tiefes Wasser, das Innenministerium trennte die beiden Königskinder, obwohl Ohnastetten ein zweites Mal, bei der Anhörung am 20. Januar 1974, sich für Unterhausen entschieden hatte.
Heftige Gegenwehr nutzte nichts, die beiden Orte mussten sich, verunsichert durch widersprüchliche Aussagen der Stuttgarter Hochzeitsbitter, den anderen vorgeschlagenen Partnern zuwenden. Der damit verbundene Verlust von annähernd zwei Mio. DM war ärgerlich und schmerzlich zugleich.
Im Rahmen der Gemeindereform wurde Ohnastetten später der neu gebildeten Gemeinde St. Johann zugeschlagen.

Kommentare:

  1. Tja, diese Eingemeindungen - dabei hätte man, so sagte mir damals der Beigeordnete einer Großstadt, nur die Computer zusammenschließen müssen - etwas, was damals durchaus technisch möglich und real war. Aber Bürokratien brauchen Hierarchien - und - haste-nicht-gesehen - sind soviele Beamte zusammen, dass sie eine neue Hierarchiestife benötigen. Parkinso hat die Dynamik dahinter dereinst wunderbar beschrieben. Heute könnten viele Gemeinden wieder in die Selbständigkeit entlassen werden. Das wäre doch einmal eine interessante, eine subversive Diskussion. Die künstlichen Zentren, die vor 40 Jahren auch in Lichtenstein entstanden, haben bis heute nicht den Charme früherer Ortsmitten. Viele, eher kalte Projekte entstanden aus der kommunalen Gebiets- und Verwaltungsreform. Die Gebietsreform hätte man sich jedenfalls sparen können, meine ich - und freue mich auf den Widerspruch.
    Raimund Vollmer, der seit 1981 in einer Gemeinde lebt, die 1971/72 geschluckt wurde (nicht von Lichtenstein, sondern von Reutlingen)

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    1. Bei all diesen Eingemeindungen um Reutlingen rum sind nur "Dörfer" dazu gekommen.
      Das Stadtgebiet zu klein um ausgekreist zu werden. Der Großteil ist ländlicher Raum. Deshalb lasst es so wie es ist.
      Größenwahn der BB?

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