Freitag, 12. Januar 2018

Walter Votteler (24.05.1914 - 17.11.1977): Ein begnadeter Künstler, der mehrere Jahrzehnte in Unterhausen gelebt hat.

Walter Votteler wurde am 24. Mai 1914 in Reutlingen (im Gmindersdorf) geboren. Schon früh zeigte sich sein künstlerisches Talent und er war so ehrgeizig, sich selbst die Grundlagen und Techniken der Malerei beizubringen. Mit 12 Jahren malte er sein erstes Ölbild. Er kopierte das von Franz von Lehnbach gemalte Bild: "Der Hirtenknabe". Dieses Bild war im Jahr 1989 im Besitz seiner Frau.

Liebe zu Büchern und sein handwerkliches Geschick ermöglichten ihm eine Buchdruckerlehre bei Ensslin & Laiblin in Reutlingen.

Als achtzehnjähriger fuhr er erstmals in die Berge die ihn zeitlebens nicht mehr losließen, was seine Bergbilder beweisen. So ist es verständlich, dass er sich nach dem Arbeitsdienst 1938 zu den Gebirgsjägern meldete. Hier machte er von sich reden, indem er Kameraden und den "Barras" auf Postkarten und Briefen karikierte.

1942/43 zog er mit seiner Frau in den ehemaligen Ortsteil Oberhausen.

Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft tauschte er in den umliegenden Gemeinden bei Bauern seine Bilder gegen Lebensmittel.

Von 1946 bis 1957 arbeitete Walter Votteler in der Keramikwerkstatt Kussmann, die ihren Standort auf dem Gelände der Betonfirma "Eich und Mäule" hatte. Hier entwarf und fertigte er als maßgebende Kraft Mosaikbilder, Vogeltränken, Gebrauchsgegenstände und Werbekeramik. Sein bekanntestes Werk dürfte die Reliefwand in der Eingangshalle des Kindergartens in der Friedrichstraße sein. Eine weitere Arbeit für den Kindergarten war die Aussägearbeit, welche aus fortlaufenden Geschichten der Märchenwelt bestand und von der Rückseite beleuchtet wurde.

In der Freizeit verfeinerte er seine Spachteltechnik. Anstelle des Pinsels werden hier verschiedene Spachteln benutzt und damit die Ölfarbe schichtweise auf die Leinwand oder Hartfaserplatte aufgebracht.

Durch Weiterempfehlung wurde Walter Votteler bis Ende der 60iger Jahre mit einer Anzahl unterschiedlichster Arbeiten betraut, die seine Freizeit beanspruchten und sein Können herausforderten. Ob er den Hahn auf die Kirchturmspitze der Oberhausener Kirche setzte, die Wetterfahne auf dem Mast des Gießsteins befestigte, Kulissen für Vereinsfeiern und Straßenbänder für Ortsfeste malte, Kantinenwände und Aufenthaltsräume mit Landschaften oder Bildergeschichten ausschmückte, auch große Holzfiguren schnitzte, es gab kaum eine Arbeit, die er nicht lösen konnte.

Außerdem baute er seine Eisenbahnanlagen und fand trotzdem noch Zeit mit Staffelei und Rucksack durch den Ort oder über die Alb zu wandern, um ein Motiv bei einer bestimmten Witterung oder spezieller Beleuchtung zu malen.

Anfang der 70ger Jahre konzentrierte sich "WaVo" wieder mehr auf das Malen. In dieser Zeit entstanden dann wieder "große" Arbeiten: Die Kulissen für den Pfullinger Skichor (5 x 8 m) und die Stadtansicht von Heidenheim (2 x 4 m) für einen Deutsch-Amerikaner.

Zusätzlich arbeitete er auch mit der Aquarelltechnik. Dabei bemalte er auch gewässerte Raufasertapeten und bemalte diese mit Wasserfarbe. Die Farben verschwammen und es entstanden Bilder mit fließenden Übergängen. Nach dem Trocknen zog er als Kontrast die Konturen nochmals nach.

Er verstarb nach schwerer Krankheit am 17. November 1977.

Im Jahr 1989 hätte Walter Votteler seinen 75. Geburtstag gefeiert. Zur Erinnerung an diesen Künstler wurde in Lichtenstein-Unterhausen eine Ausstellung mit über fünzig Werken gezeigt, die einen repräsentativen Querschnitt seiner Schaffenkraft vermittelten.

Foto + Textauszüge: Archiv des GHV-Lichtenstein                                                       Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch

1 Kommentar:

  1. Wer hat noch Walter Votteler Bilder auf der Bühne und lässt sie verstauben?
    Der GHV würde sie gerne übernehmen, bevor sie in einem "Container" entsorgt werden.

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