Honau: Kartenblatt von 1820:
Honau, ein evangelisches Pfarrdorf mit 405 Einwohnern, an der
Echaz, über welche hier eine steinerne Brücke führt, 1790 Fuß über der Meeresfläche, eine kleine halbe Stunde oberhalb
Oberhausen, und 2¾ Stunden von Reutlingen; Revier Lichtenstein, Forstamt Urach.
Das Patronat besitzt die Landesherrschaft, die auch den Pfarrer
besoldet.
Den großen Zehenten und den Novalzehenten bezieht die Herrschaft, den
kleinen und den Heuzehenten die Pfarrey; zehentfrey sind 11 Morgen.
Gefälle beziehen der Staat aus Lehen- und Zinsgütern, Geld- und Küchengefälle 44 fl. 30 kr.
Ferner beziehen die Pfarrey, die Gemeindepflege und
die Heiligenpflege des Orts, die Gemeindepflege Oberhausen und 7 benachbarte
Stiftungspflegen kleine Gefälle. Jedes Haus, das einen Rauch hat, zahlt eine
alte Henne, Rauchhenne.
Das Dörflein liegt äußerst malerisch in dem engen
Thale auf einer hohen Au, wovon es ohne Zweifel den Namen hat, umgeben von
einer wahren Schweizernatur. Von der Thal-Erhöhung, auf welcher der Ort liegt,
stürzt sich in mehreren Fällen brausend die Echaz, welche unweit des Dorfes
ihre Quellen hat, über Tuffsteinfelsen herab. Die Erhöhung selbst
besteht ganz aus solchen Felsen, welche dem Ort einen nicht unerheblichen
Nahrungszweig gewähren, da sie theils hier, theils aus den Brüchen, von den
beyden Hausen überall hin in die Umgegend zum Bauen geholt werden.
Unmittelbar hinter dem Ort beginnt die schöne Honauer
Steige die, wenn einmal der Straßenzug seinen natürlichen Gang
nehmen sollte, für das Örtchen sehr wichtig werden kann.
Die Markung des Orts ist im Verhältnisse zur
Einwohnerzahl die kleinste im ganzen Oberamt; dennoch hat hier die Bevölkerung
seit 10 Jahren verhältnißmäßig mehr als im ganzen Thale, wenn gleich nicht mehr
als um 19 Personen zugenommen..
Wie im ganzen Thale, so wird auch hier viel Hanf
gebaut, daneben zeichnet sich der Ort durch einen starken Zwiebelbau aus. Auch
Obst wird ziemlich gewonnen, doch ist es rauh und geräth minder gern, als
thalabwärts.Honau kommt schon im Jahr 937 in der oben angeführten
Urkunde Kaisers Otto, unter dem Namen Hohenowe, Hohenau vor. Der
Priester Hartbert, der von dem Kaiser hier beschenkt wurde, gelangte später zur
bischöflichen Würde in Chur, und es ist merkwürdig, daß noch im Jahr 1686 der
Bischof Ulrich von Chur sich bey dem Herzog von Würtemberg beschwert, daß er aus
seiner Feilenschmidte zu Honau, ungeachtet dieselbe ganz zerfallen, doch
noch die alte Steuer fortbezahlen solle. Zu derselben Zeit besaß Chur hier auch
noch mehrere eigenthümliche Güter und noch in dem neuesten
Cameralamts-Grundbuch wird ein Theil der oben genannten Lehen- und Zinsgüter
als ehemals Churische Lehen aufgeführt. Auch Groß Engstingen war, wie wir unten
sehen werden, Churisch. Bemerkenswerth ist, daß eine Zellg der Markung auf der
Höhe „Pfullenberg“ heißt; in dem Ort selber wird noch ein Haus das Schlößle
genannt. Hinter Honau schließt sich das enge Thal ganz, zwischen hohen Felsen,
im sogenannten Dobel. Zwischen Honau und Oberhausen, gegenüber von
Lichtenstein, steht an der Bergwand eine Reihe von etlich und 20 Felsen. Der
erste und einer der größten davon heißt der Sonnenstein. Die Bewohner
von Honau benutzen ihn statt einer Sonnen-Uhr, um die Mittagszeit darnach zu
bestimmen. Der Felsen hat nämlich eine große Vertiefung, in welche die
Sonnenstrahlen gerade um die Mittagsstunde fallen.
Bearbeitung + eArchiv: Dieter Bertsch
.jpg)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen