Montag, 12. September 2011

Bahnhof Honau unter Denkmalschutz - war gestern...









...mal wieder bei herrlichem Wetter Besuchermagnet
zum Tag des Denkmals im Oberen Echaztal.


Bildertanzquelle: Archiv Geschichts- und Heimatverein Lichtenstein e.V.

Hallo Zahnradbahnintressierte,

da zeigt unser Geschichtsverein mal wieder ein paar schöne Bilder, die ich gern noch ein bisschen kommentieren möchte.
Das Honauer Bahnhofsgebäude (nehme an in den 30er Jahren, der Bahnhof-Vorstand Klaus Beck was hier sicher mehr) ist mit den nun vorgezogenen Überdachungen etwas kundenfreundlicher gestaltet worden. Eine komplette Bahnsteigüberdachung war nicht notwendig, da die Fahrgäste bis zum Eintreffen des Zuges noch hinter der Abschrankung warten mussten.
Die Kurbel- und Hebelwerke beiderseits der offenen Türe zum Fahrdienstleiter-Büro zeugen von der Modernisierung des Bahnbetriebes. Solche Zugsicherungsanlagen zum stellen der Weichen und Signale sind aufgrund ihrer Sicherheit und Stabilität teilweise auch heute noch in Betrieb.
Auf dem zweiten Bild fährt der Zug vermutlich talwärts, dabei bremst die Lok mit ihren vier Zylindern die sonst den Antrieb besorgen. Diese sogenannte Gegendruckbremse funktioniert so, daß der Lokführer bei der Einfahrt in´s Gefälle oben nach der Station Lichtenstein die Fahrtrichtung für die Kolben umkehrt, diese dann Luft ansaugen und in den Zylindern so stark komprimieren daß eine kräftige Bremswirkung erzielt wird. Der Lokführer hat zwei Entlüftungsventile für die beiden Triebwerke, mit denen er dann die Fahrgeschwindigkeit (höchstens 10km/h) bequem regeln kann. Da die Komprimierung der Luft Wärme erzeugt, kann er noch Kühlwasser in die Zylinder einspritzen, das dann als Dampffahne mit der komprimierten Luft aus dem Schornsteinkranz entweicht.
Die normale Druckluftbremse mit den Bremsklötzen an den Rädern kam auf der Zahnradstrecke nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.
Auf dem dritten Bild schiebt ein Zahnradschienenbus seinen Steuerwagen bergwärts zur Station Lichtenstein. Man kann deutlich den Steigungsunterschied zwischen den 10% der Zahnradbahn und nur 6% der Strasse erkennen.
Für den Schienenbuseinsatz wurde die Zahnradstrecke Anfang der 60er Jahre komplett saniert, es wurden neue Schienen und Schwellen eingebaut. Die Schienen und Zahnstangen zudem durchgehend verschweisst so daß es keine unkomfortablen und unterhaltungsaufwändigen Stosslücken mehr gab. Das Gleis und die Stützmauer auf dem Bild wurde zugunsten der B312 einen Meter weiter in den Berg gerückt.
Oberhalb des Zuges kann man noch Reste eines um die Jahrhundertwende illegal vom Albverein auf dem Bahngelände (das bis zur Albhochfläche reichte) angelegten Wanderweges zu den Traifelbergfelsen erkennen. Aufmerksam wurde die königliche Bahnverwaltung damals auf den Wegebau nur, weil häufig größere Steine im Gleis lagen. Nach einigem hin und her genehmigte die Bahn dann den Weg der mit einem Weg-Übergang beim zweiten Ranken zugänglich war.
Neben der Strasse, dort wo das Auto parkt, durfte Rössle-Wirt Stefan Tröster (Honau) 1891 eine 18 x 6m große „Menagehütte“ zur Versorgung der Bahnbauarbeiter errichten. Dort gab es dann auch einmal eine tödliche Messerstecherei.
Was so ein paar Bildle alles „erzählen“ können.

Gruß aus Reutlingen
Michael Staiger

Kommentare:

  1. Hallo Zahnradbahnintressierte,

    da zeigt unser Geschichtsverein mal wieder ein paar schöne Bilder, die ich gern noch ein bisschen kommentieren möchte.
    Das Honauer Bahnhofsgebäude (nehme an in den 30er Jahren, der Bahnhof-Vorstand Klaus Beck was hier sicher mehr) ist mit den nun vorgezogenen Überdachungen etwas kundenfreundlicher gestaltet worden. Eine komplette Bahnsteigüberdachung war nicht notwendig, da die Fahrgäste bis zum Eintreffen des Zuges noch hinter der Abschrankung warten mussten.
    Die Kurbel- und Hebelwerke beiderseits der offenen Türe zum Fahrdienstleiter-Büro zeugen von der Modernisierung des Bahnbetriebes. Solche Zugsicherungsanlagen zum stellen der Weichen und Signale sind aufgrund ihrer Sicherheit und Stabilität teilweise auch heute noch in Betrieb.
    Auf dem zweiten Bild fährt der Zug vermutlich talwärts, dabei bremst die Lok mit ihren vier Zylindern die sonst den Antrieb besorgen. Diese sogenannte Gegendruckbremse funktioniert so, daß der Lokführer bei der Einfahrt in´s Gefälle oben nach der Station Lichtenstein die Fahrtrichtung für die Kolben umkehrt, diese dann Luft ansaugen und in den Zylindern so stark komprimieren daß eine kräftige Bremswirkung erzielt wird. Der Lokführer hat zwei Entlüftungsventile für die beiden Triebwerke, mit denen er dann die Fahrgeschwindigkeit (höchstens 10km/h) bequem regeln kann. Da die Komprimierung der Luft Wärme erzeugt, kann er noch Kühlwasser in die Zylinder einspritzen, das dann als Dampffahne mit der komprimierten Luft aus dem Schornsteinkranz entweicht.
    Die normale Druckluftbremse mit den Bremsklötzen an den Rädern kam auf der Zahnradstrecke nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.
    Auf dem dritten Bild schiebt ein Zahnradschienenbus seinen Steuerwagen bergwärts zur Station Lichtenstein. Man kann deutlich den Steigungsunterschied zwischen den 10% der Zahnradbahn und nur 6% der Strasse erkennen.
    Für den Schienenbuseinsatz wurde die Zahnradstrecke Anfang der 60er Jahre komplett saniert, es wurden neue Schienen und Schwellen eingebaut. Die Schienen und Zahnstangen zudem durchgehend verschweisst so daß es keine unkomfortablen und unterhaltungsaufwändigen Stosslücken mehr gab. Das Gleis und die Stützmauer auf dem Bild wurde zugunsten der B312 einen Meter weiter in den Berg gerückt.
    Oberhalb des Zuges kann man noch Reste eines um die Jahrhundertwende illegal vom Albverein auf dem Bahngelände (das bis zur Albhochfläche reichte) angelegten Wanderweges zu den Traifelbergfelsen erkennen. Aufmerksam wurde die königliche Bahnverwaltung damals auf den Wegebau nur, weil häufig größere Steine im Gleis lagen. Nach einigem hin und her genehmigte die Bahn dann den Weg der mit einem Weg-Übergang beim zweiten Ranken zugänglich war.
    Neben der Strasse, dort wo das Auto parkt, durfte Rössle-Wirt Stefan Tröster (Honau) 1891 eine 18 x 6m große „Menagehütte“ zur Versorgung der Bahnbauarbeiter errichten. Dort gab es dann auch einmal eine tödliche Messerstecherei.
    Was so ein paar Bildle alles „erzählen“ können.

    Gruß aus Reutlingen
    Michael Staiger

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  2. Lieber Michael,

    Dein Bericht ist so toll, dass ich ihn unter die
    Bilder gesetzt habe. Man sieht und liest, wer der
    Bahnhof-Honau-KENNER ist !

    Gruss
    Werner Vöhringer

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  3. Vielen Dank für diesen ausführlichen und interessanten Bericht, so etwas liest man einfach gerne!

    B.M.

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