Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk!
(Gedanken zu meinem Urgroßvater - was mir vom Erzählen in Erinnerung geblieben ist. Dieter Bertsch)
(Gedanken zu meinem Urgroßvater - was mir vom Erzählen in Erinnerung geblieben ist. Dieter Bertsch)
Aufgrund lückenhafter Überlieferungen und nach nunmehr über 170 Jahren darf trotzdem der Schluss gezogen werden, dass das Leben von Johann Wilhelm Bertsch von diesem Wissen geprägt gewesen ist. So manche scheinbare Eigenart und mancher Wesenszug dieses markanten Vorfahren ist selbst noch bei seinen heute lebenden Nachkommen anzutreffen. Dank mildernder Gen-Zugaben - durch Anheirat - kommt jedoch in den heutigen Folgegenerationen nicht mehr dessen harte Schale, sondern vermehrt der süße Kern zum Tragen.
Johann Wilhelm Bertsch, Bürger und Schuhmacher in Oberhausen, ist im Juni 1847 geboren. In seinen Gesellenjahren ist er auf der Wanderschaft bis in die Schweiz gekommen. Nach der Teilnahme am Feldzug gegen Napoleon III führte er seine Frau, Jakobine Rosine, geb. Mezger, zum Traualtar. Diese gebar ihm 7 kecke Buben und 3 züchtige Mädchen. Die alten Werte hatten noch ihre Gültigkeit und in der dörflich-bäuerlichen Welt stand man mit beiden Füssen auf der Erde. Über diese herrschte der Kaiser und Könige, aber über ihrem Haupt war der Himmel, in dem Gott, der Weltenlenker regierte. Der Kampf ums nackte Dasein war hart und unerbittlich. Auf dem Schusterschemel sitzend nähte und flickte er mit Fleiß die Stiefel der Dorfbewohner. Daneben baute er Gerste an und pflanzte Kartoffel auf der Alb hinterm Gießstein. Er mähte auf den Wiesen im Tal das Gras für die Kuh und füllte im Herbst die Fässer mit Most. Die Kinder wuchsen heran, waren von guter Statur und wohlbegabt. Die Lebensweise war einfach. Man verstand zu verzichten, zu sparen und einzuteilen. Als gescheiter Mann, mit weitem Horizont, hatte er längst die Erkenntnis gewonnen, dass vieles, was besteht, wert ist, dass es zugrunde geht oder gründlich verändert wird.
Als seine liebe Frau in der Mitte ihres Lebens starb und die Kinder das Elternhaus verlassen hatten, ist es um ihn ruhiger geworden.
Foto von Erhard Gekeler / Oberhausener eArchiv: Dieter Bertsch
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